Pfingstweide


Im Club Pfingstweide in Zürich übernimmt Kunst für vier Tage das Ruder


Über 20 Künstler und Musiker zeigen speziell für den unkonventionellen Ausstellungsraum entwickelte Werke, Performances und Aktionen.
In der ehemaligen Gemüselagerhalle bringt normalerweise die Pfingstweide Crew das Publikum mit treibenden Beats ins Schwitzen. Nun besetzt Kunst die Räume während vier Tagen und lässt sich von den ungeschliffenen, rohen Industrieräumen inspirieren. Videoinstallationen und Lichtzauber bringen Magie in den „Darkroom“ und Malerei, Zeichnungen und Fotografie eröffnen einen ganz persönlichen Kommentar zu den Industriehallen und ihrer Geschichte. Über Interventionen, in Videoperformances und musikalischen Life Acts nehmen die Künstler Bezug auf die Nutzung der Räume als Club und improvisieren federleicht auf dem Grundbeat der Räume, die für Themen wie Sehnsüchte, Träume, Popkultur, Kreativität, Ausbruch und Untergrund stehen. Die Soundlounge lässt die Sonne rein und dient als Treff- und Austausch Ort und da man ja nicht nur von Kunst, Musik und Liebe leben kann, stellt sich das Kunst vor Ort Team hinter den Grill.

Der Ausstellungsort hat eine Geschichte, die spürbar ist und die seinen Charakter prägt. Im Untergrund des Clubs gedeihen Projektionen, es erwachen schräge Töne und durchmischen sich Träume und Sehnsüchte einer urbanen Jugendkultur mit den Schatten und Ungeheuern der Unterwelt. In der Halbdämmerung des Kunstlichts tauchen neben Glitzerwelten auch die Versprechen der kommerziellen Unterhaltungsindustrie und die codierten sozialen Verhaltensschemen auf. Elektronische Musik und Clubkultur sind für das 21. Jahrhundert wichtige gesellschaftspolitische Phänomene, auf welche viele der Künstler mit ihren Werken eingehen. Der Ausstellungsort als ehemalige Lagerhalle und industrieller Ort ist ebenfalls Thema von Arbeiten, die Gegenüberstellungen wie etwa Industrie versus unberührte Landschaft aufnehmen. Der Ort lässt Assoziationen zu industriellen Brachen zu, wo sich zwischen Schutthalden und unbenutzten Lagerhallen Street Art ansiedelt. Zwei der Künstler, die an der Ausstellung beteiligt sind, haben ihre Wurzeln in der Street Art, welche auch für urbane, subversive Kommunikation seitens Jugendlicher steht. Dieser urbane, subversive Unterton ist spürbar in ihren Arbeiten und in neue ästhetische Umsetzungen und Formen von Abstraktion eingegangen.

Neben einer unkonventionellen Raumsituationen und seinem starken eigenen Architekturcharakter bietet der Ausstellungsraum eine heterogene Lichtsituation von diffusem Tageslicht und inszenierter Clubbeleuchtung. Diese Voraussetzungen fordern die Künstler bewusst heraus spezifisch situative Werke zu schaffen, die den Ort in seiner Wirkung kontrastieren oder verstärken. Der tatsächliche Ausstellungsraum ist auch im diesjährigen Projekt nicht durch Konventionen beschränkt. Die Möglichkeiten mit Malerei, Fotografie, (Audio-) Installationen, Video und Performances auf die Innen- sowie Aussenräume einzugehen, sind quasi unbeschränkt. So wird beispielsweise der Garderobe-Kubus als Black Box genutzt und die Warenrampe wird zur „Leinwand“ einer von der Decke projizierten Videoarbeit. Die KünstlerInnen nutzen kontextspezifisches Material (Clubinventar) wie Absperrgitter oder Dj-Pulte und integrieren dieses gezielt in ihre Arbeiten. In den performativen Arbeiten spielt das Soundexperiment, die Musik in Bezug auf den Clubbetrieb und die Thematisierung der sich verändernden Medienwelt eine wichtige Rolle.
 
Kunst bricht aus
 
Das Ausstellungskonzept sieht eine Öffnung hin zum öffentlichen Raum vor. In der Pfingstweide wird diese Öffnung nicht nur thematisch angestrebt sondern real umgesetzt. Zum öffentlichen Parkplatz vor dem Gebäude hin werden die Lagerhallen geöffnet und der schwere industrielle Eisenrolladen der Aussenfassade geöffnet, so dass eine Licht durchflutete Halle eröffnet. Zwischen „drinnen“ und „draussen“ entsteht eine Begegnungszone , die zum Verweilen und Austauschen einlädt.
 
Club & Kunst
 
Das vierköpfige Pfingstweide-Team, die Initiatoren des Clubs, sind schon seit Jahren in der Zürcher Clubszene präsent. Sie sind jedoch nicht nur affecionados der elektronischen Musik, sondern haben es sich zum Ziel gesetzt Kunst in ihrem Konzept zu integrieren. Das Team hat seit Eröffnung des Clubs Kultur auf Ihre Banner geschrieben und arbeitet unter anderem mit der Zürcher Kulturinstitution "Cabaret Voltaire" zusammen. Sie unterstützen unser Ausstellungskonzept und geben uns die Freiheit die Ausstellung parallel zur Eigendynamik des Ortes und ihrer Wirkung zu realisieren. Auf Eigenveranstaltungen des Clubs wird während der Zeit der Ausstellung bewusst verzichtet.
 
Verein Kunst vor Ort
 
Die Gefahr, dass Kunst zu einem fernen Exponat auf einem Sockel verkommt, ist in diesem Ausstellungsraum gering. Der Verein „Kunst vor Ort“ ist eine Non-Profit Organisation welche nicht an einer kommerziellen Vermarktung interessiert ist, sondern daran ein Projekt zu realisieren, bei dem Menschen berührt werden und sich Werken, die zu einer Auseinandersetzung auffordern, annähern können.

Der Verein realisiert Kunstprojekte bei denen von den Kunstschaffenden situative Werke an ungewöhnlichen Ausstellungsorten gezeigt werden. Ephemere Kunstformen wie Video- und Audioperformances, Aktionen und Interventionen sind Teil des Konzepts. Ein Austausch unter den Besuchern sowie zwischen Kunstschaffenden und Publikum sind weitere Anliegen des Vereins. Dies ist bereits der zweite Anlass, den der Verein realisiert. Der letztjährige Anlass fand in einem unbewohnten Haus auf dem Weiler Dübelstei (Dübendorf) mitten in einem Waldtobel neben Burgruinen statt.

 

Wegbeschreibung


ÖV: S-Bahn bis Zürich Hardbrücke, 5 Minuten zu Fuss um das Pfingstweide Areal zu erreichen.

Adresse: Pfingstweidstrasse 12, 8005 Zürich

 

Presselinks


Kunst vor Ort Medienmitteilung 2011

Kunst vor Ort Pressetext, kurz

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